Nürburgring - Grand Prix-Strecke
Bau eines 20m hohen, mit Kunststoff bewehrten Erdkörpers
Durch den Umbau des Grand Prix - Kurses - Erweiterung um einen neuen Streckenabschnitt namens "Mercedes-Arena" im Bereich nach Start-Ziel - wird die Rennstrecke an der Nürburg noch attraktiver gestaltet. Der Rennkurs wird um ca. 600 m im unmittelbaren Sichtfeld mehrerer Tribünenanlagen erweitert und beschert durch neu gestaltete Kurvenkombinationen mit Überholmöglichkeiten dem rennsportbegeisterten Zuschauer einen noch intensiveren und spannenderen Einblick in den Rennverlauf.
Steilwand aus kunststoffbewehrter Erde
Bestes Konzept
Zur Schaffung der notwendigen Veranstaltungsfläche waren umfangreiche Erdarbeiten erforderlich. Im Zuge der Geländeprofilierung musste der Kopf einer vorhandenen Böschung um circa 10 m Breite verlängert werden, die maximale Bauhöhe der Anschüttung betrug von Talsohle bis Böschungskrone circa 21 m.
Eine zusätzliche technische Herausforderung bestand in der Inhomogenität des anstehenden Bodens, welche das entscheidende Kriterium darstellte für die Wahl der Kunststoff-Bewehrten-Erde (KBE).
"Unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen erwies sich die Herstellung einer Steilwand aus bewehrter Erde mit Hilfe von HUESKER Geosynthetics als beste Lösung" erklärte das planende Ingenieurbüro.
Die wieder verwertbaren Massen aus Bodenabtrag konnten beim Bau der Stützwand aus bewehrter Erde komplett eingebracht werden. Vorhandene Einrichtungen wie ein Zufahrtstunnel, ein Auffangbecken für Oberflächenwasser und Betriebswege bildeten die örtlichen Zwangspunkte, an die sich die Geometrie der Steilwand in Lage und Linienführung harmonisch einpasste.
Steilwand - Vorteile des Systems "bewehrte Erde"
Das Konzept Steilwand aus kunststoffbewehrter Erde bietet viele Vorteile:
Bauen im Winter - Geosynthetics machen es möglich
Eine Rennsaison am Nürburgring beinhaltet nicht nur den F1-Grand Prix und andere Großveranstaltungen im Sommer, sondern beginnend ab April - tagtäglicher Testbetrieb diverser Automobilhersteller, Fahrertraining, Breitensport und vieles mehr.
Die örtliche Bauleitung ergänzt dazu: "Eine termingerechte Fertigstellung des Projektes bis zum Beginn der Saison im April hatte oberste Priorität und wäre mit anderen technischen Mitteln zur Böschungssicherung nicht realisierbar gewesen.
Das Konzept bewehrte Erde ermöglichte uns im Halbjahr von November 2001 bis April 2002 praktisch unterbrechungsfrei zu arbeiten, und das in der Hocheifel unter den bekannt harten klimatischen Verhältnissen mit Temperaturen bis -15°C und natürlich auch Schnee."
Sehr flexible Lösung im Hinblick auf Konstruktion, Technik und Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten.
Das Bauwerk fügt sich - gegenüber anderen Konzepten - harmonisch in die Landschaft ein. Ob enge Radien oder eine linealgerade Ausrichtung, die Bauwerksgeometrie und Böschungsneigung einer Steilwand ist sehr flexibel und anpassungsfähig. Durch eine Begrünungsmatte auf der Ansichtsfläche und entsprechende Bepflanzung wird das Erscheinungsbild in der Landschaft entscheidend aufgewertet.
Erdbewehrte Steilwände sind schon im Bauzustand sehr tragfähig und belastbar. Diese Erfahrung machte das Bauunternehmen bereits während der Bauphase. Selbst schweres Baugerät, wie Raupen und Lkws konnten problemlos bis nahe an die Böschungskante heranfahren. Der Maschineneinsatz gestattete eine hohe Bauleistung. Bis zu 1000 t Material konnten täglich eingebaut werden.
Da als Füllboden größtenteils HMV-Asche 0/32 mm verwendet werden sollte, wurde auf die Chemikalienbeständigkeit (z.B. pH-Werte von ca. 12) der verwendeten Geogitter besonders großen Wert gelegt. Der in Lagen von 0,45 m Stärke eingebaute Füllboden wurde deshalb mit Fortrac®-Geogittern aus PVA mit unterschiedlichen Zugfestigkeiten gemäß Statik und Ausführungsplanung bewehrt. Abgewinkelte Baustahlgitter dienen als verlorene Schalung und zur Frontgestaltung der Böschung. Ein Kokosgewebe unter dem Stahlgitter auf der ca. 3.000 m2 großen Ansichtsfläche der Böschung verhindert ein Ausrieseln des Füllbodens während Einbau und Verdichtung und schützt vor Bodenerosion.
Zur Primärbegrünung wurde auf dem Kokosgewebe nach Fertigstellung der Stütztwand eine Anspritzbegrünung durchgeführt. Pünktlich zum Saisonbeginn 2002 konnten die umfangreichen Arbeiten abgeschlossen werden.
Perforierungen und sonstige Änderungen an oberster Bewehrungslage sind zulässig
Eine Schwächung der Armierung infolge punktueller Perforierung des Geogitters ist zulässig.
Durch eine entsprechende Dimensionierung des Fortrac®-Geogitters können so an der Böschungskante problemlos Pfosten für einen Sicherheitszaum in die oberste Bewehrungslage gerammt werden.
In Bereichen, wo Kanal- und andere Leitungstrassen die oberste Lage Geogitter schneiden, werden die Leitungsgräben als Randeinfassungsgraben genutzt zur Gewährleistung der notwendigen Verankerungslänge im Erdkörper.
Sicherheit und Setzungsunempfindlichkeit der Bauweise
Die statische Bemessung erfolgte nach dem Partialsicherheitskonzept auf der Grundlage der EBGEO. (Empfehlungen für Bewehrungen aus Geokunststoffen, DGGT, 1997)
Unmittelbar nach der Fertigstellung des Bauwerkes wird eine Nullmessung durchgeführt um Setzungen feststellen zu können. Dazu wurden Messbolzen installiert die regelmäßig vermessen werden. Die Auswertung der bisherigen Messungen am Bauwerk ergab praktisch keine nennenswerten Setzungen. Die Messwerte lagen zum Teil sogar innerhalb der Fehlertoleranz der Messeinrichtung.
Abb. 1 + 2: Erdbewehrte Steilwände bieten viele Vorteile. Hier am Nürburgring wurde in den Wintermonaten gebaut, weil dann der Streckenbetrieb ruht. Zur Bewehrung der Steilwand wurde Fortrac®-Geogitter eingesetzt.
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Abb. 3: Der Aufbau der Steilwand erfolgte mit lokalen Füllboden und HMV-Asche (0/32) in Lagen mit 0,45 m Stärke. Auf die Chemikalienbeständigkeit der verwendeten Fortrac® Geogitter wurde besonders großen Wert gelegt.






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